Premiere für Judith auf der Marathon-Strecke. Am 26.04.2026 ist sie beim Haspa Marathon in Hamburg gestartet. Lassen wir Judith selbst vom Lauf und den Eindrücken drum herum berichten:

„Die Startnummernausgabe am Vortag war schon das erste Abenteuer, da alles einfach unglaublich riesig war in den Messehallen und ich erst einmal 1,5 Stunden anstehen musste, bei bestem Hamburger Wind und zwischendurch etwas Nieselregen, bis ich die langersehnte Startnummer endlich in den Händen hielt.
Am nächsten Morgen ging es früh aus den Federn, die Aufregung stieg. Zwischen tausenden Läuferinnen und Läufern stand ich voller Vorfreude und Nervosität am Start „Bei den Kirchhöfen“ an der Hamburg Messe. Die Musik, die Moderatoren, die jubelnden Zuschauer – alles fühlte sich irgendwie unwirklich an. Dann konnten wir die Eliteläufer und -läuferinnen auf der großen Leinwand starten sehen. Da war ich wieder in der Realität: Heute laufe ich meinen allerersten Marathon.
Jetzt Konzentration! Der Startschuss fiel, es ging erstmal aber nur schleppend bis zum Start.
Dann: die ersten Kilometer flogen nur so vorbei. Reeperbahn, die Tanzenden Türme, Richtung Elbchaussee. Die Stimmung am Straßenrand war unglaublich. Überall Menschen, Musik und Anfeuerungsrufe. Ich hatte meinen Plan: Alle sieben Kilometer ein Gel und an jeder Verpflegungsstation Wasser trinken. Anfangs fühlte sich alles leicht an.
Entlang des Fischmarkts und der St. Pauli Landungsbrücken eröffnete sich der Blick auf die Elbphilharmonie, die moderne Hafencity und die alten Backsteingebäude der Speicherstadt. Hamburg zeigte sich von seiner schönsten Seite. Durch den Wallringtunnel ging es weiter über Ballindamm und Jungfernstieg mitten durch das Herz der Stadt. Auf der Kennedybrücke lag die Binnenalster glitzernd vor uns – ein Moment, den ich trotz aller Konzentration bewusst wahrnahm.
Die Strecke führte weiter entlang der Außenalster, vorbei an Schwanenwik, dem Eduard-Rhein-Ufer und der Schönen Aussicht. Zuschauer standen dicht gedrängt an den Straßen und trugen uns Läuferinnen und Läufer förmlich weiter. Als ich bei Kilometer 18 meinen Mann entdeckte, bekam ich sofort neue Energie. Kurz darauf erreichte ich die Halbmarathonmarke in 2 Stunden und 9 Minuten. Ich fühlte mich noch stark und war optimistisch.

Doch ab Kilometer 22 änderte sich plötzlich alles. Die Beine wurden schwerer, das Tempo langsamer und jeder Kilometer beschwerlicher. Es könnte daran gelegen haben, dass auch ein paar Höhenmeter überwunden werden mussten. Bis Kilometer 28 wurde es nicht wirklich besser. Ich dachte nur, weiterlaufen, immer weiterlaufen.
Die nächsten Kilometer gingen tatsächlich wieder deutlich besser. Durch die City Nord und Richtung Ohlsdorf ging es voran. Als ich bei Kilometer 30 auf die Uhr schaute und 3 Stunden und 9 Minuten sah, wusste ich: Ich liege noch gut in der Zeit. Doch bei Kilometer 32 traf mich ein Gedanke mit voller Wucht: bis zu dieser Marke war bisher mein längster Trainingslauf, alles was jetzt kommt, bin ich noch nie gelaufen. Von diesem Moment an begann der eigentliche Marathon. Die nächsten Kilometer waren die anstrengendsten. Immer wieder redete ich mir gut zu, motivierte mich selbst. Über den Maienweg, die Alsterkrugchaussee, Bebelallee und die Eppendorfer Landstraße ging es weiter Richtung Ziel. Nach dem Klosterstern wurden am Harvestehuder Weg die letzten Kräfte mobilisiert.
Bei Kilometer 38 fingen die Füße und Beine an richtig weh zu tun. Jeder Schritt kostete Kraft. Bei Kilometer 41 fing es plötzlich an sich wie Kaugummi zu ziehen: das Ziel schien gleichzeitig nah und unendlich weit entfernt. Ich dachte: kann das wirklich wahr sein, dass ich es gleich geschafft habe?

Dann kam die Ansage: hinter der Kurve beginnt die Zielgerade.
Mit einem Mal kamen die Kräfte zurück. Ich beschleunigte noch einmal ordentlich, bog auf die Karolinenstraße ein und sah den roten Teppich vor mir. Dieser Moment war unbeschreiblich. Mit ein paar Tränen in den Augen lief ich über die Ziellinie. Geschafft. Unglaublich.
Mein erster Marathon. Nettozeit: 4 Stunden und 40 Minuten.
Ein Tag, den ich nicht vergessen werde.“

Zurück in Hagen
Die Rückreise mit der Bahn mag vielleicht an eine andere Form des Marathon erinnert haben. Es ist uns aber gelungen, den Reiseverlauf in Erfahrung zu bringen. So konnten wir Judith bei der Ankunft am Hagener Hauptnahnhof mit einer kleinen Abordnung vom LT Hagen-Emst in Empfang nehmen.
Heidi hatte fleißig gebastelt und wir standen bei Einfahrt des Zuges mit Plakat und Luftballons ausgestattet unübersehbar auf dem Bahnsteig parat.
